Ostern 2021

Liebe Pfarrangehörige!

Es ist sicher ein Privileg, dass heuer an Ostern trotz der hohen Inzidenzwerte die Gläubigen die Möglichkeit haben leibhaftig einen Gottesdienst mitzufeiern. Dass unsere Ostergottesdienste offen gefeiert werden können, hängt sicher an dem guten Hygienekonzept, mit dem wir versuchen, die Infektionsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren. Für die Ostermessen gibt es zusätzlich zu den AHA-Regeln eine Anmeldepflicht. Die Further Stadtpfarrkirche ist zwar groß und die Leute wissen mittlerweile, worauf es beim Gottesdienstbesuch ankommt. Trotzdem bleibt auch ein Rest an Ungewissheit, was die Zahlen der Kirchenbesucher angeht. Durch die Anmeldelisten und unsere Ordner können Irritationen und Engpässe vermieden bzw. Unsicherheiten geklärt werden. Andererseits verstehe ich es sehr gut, wenn Leute, die zur Risikogruppe gehören, lieber die Ostergottesdienste vor Ort meiden und dann die gestreamten Gottesdienste des Bistums Regensburg oder die Gottesdienstübertragungen durch Fernsehen oder Radio verfolgen.

Unser Bischof hat im letzten Jahr bei der Osterpredigt gesagt: „Unsere Schuld besteht darin, dass wir eine Kultur des Todes verbreiten.“ Es ist ein Begriff von Johannes Paul II., der einmal sehr deutlich von der Kultur des Todes spricht. Da denkt er zum Beispiel an Kriege, an den Hunger in der Welt, an das Flüchtlingselend, an den Umgang mit dem ungeborenen Leben, mit den alten Leuten, an den immer mehr legalisierten assistierten Selbstmord. Wir könnten angesichts der Pandemie noch hinzufügen: Unser Umgang mit der Tierwelt (siehe den Tiermarkt von Wuhan), mit der Schöpfung insgesamt (Stichwort: Klimawandel). Wir geben dem Bösen Raum und so kann es sich ausbreiten. Sie sind stark, diese Zeichen der Kultur des Todes.

Dieser Kultur des Todes steht die Kultur des Lebens gegenüber. Das Osterfest zeigt uns, hält uns vor Augen, wir sind nicht für den Tod, sondern für das Leben geschaffen. Wir werden zwar alle sterben, aber wir werden in den Augen Gottes nicht tot sein (das sagt ja Jesus auch in dem Zwiegespräch über die Auferstehung der Toten, wo er mit den Sadduzäern und Pharisäern diskutiert). Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Tot sind wir nur in den Augen der Welt, wenn der Arzt den Totenschein ausstellt und das Standesamt die Bestattungsurkunde. Für Gott sind wir nicht tot. Für Gott leben wir alle. Das ist der österliche Lichtblick in dieser dunklen Zeit. Ostern heißt: Ich will nicht euren Tod, ich will euer Leben. In dieser Kultur des Lebens hat Ostern den ersten Platz, trotz allem, was da auf uns zukommt. Ostern ist das Leben. Es gibt ja diesen schönen russisch orthodoxen Ruf : „Christus ist auferstanden und er ist wahrhaft auferstanden!“ Wo sollen wir denn sonst noch Hoffnung finden in dieser dunklen Zeit, in dieser Bedrohung als in dieser Osterbotschaft, eine Botschaft, die uns herausfordern will, der Kultur des Todes keinen Raum zu geben, sondern uns für die Kultur des Lebens zu engagieren, dort wo wir sind, jeder nach seinen Möglichkeiten und vielleicht auch einmal darüber hinaus.

Ihr Pfarrer Karl-Heinz Seidl