Hausgottesdienst zum Aschermittwoch

Der Aschermittwoch ist tief verbunden mit dem Symbol des Aschenkreuzes, das den Gläubigen im Gottesdienst auf die Stirn gezeichnet oder aufs Haupt gestreut wird. Darauf müssen in diesem Jahr – coronabedingt – viele Gläubige verzichten. Vielleicht können Sie in Ihrer Familie selber Asche herstellen (im Kamin oder im Garten, am Tag vorher, damit sie kalt ist, und nicht mit Wasser vermischen). Dann können Sie sich gegenseitig mit diesem Zeichen zu Beginn der Fastenzeit segnen.

GEDANKEN ZUR EINSTIMMUNG

Viele Menschen sind dankbar für den Tag des Aschermittwochs. Sie erleben ihn als eine Hilfe, sich wieder einmal neu auf den Weg nach mehr Verbindlichkeit zu begeben. Es tut dem eigenen Lebensgefühl gut, sich ab und zu einen Ruck zu geben und dem „grauen Alltag“ wieder ein wenig mehr Form und damit auch Format zu geben. Dazu mag dieser Gottesdienst eine Hilfe sein.

Wir beginnen im Zeichen unserer Erlösung und beten: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

LIED ZU BEGINN (Gotteslob 269, Strophe 1 - 4)

Du Sonne der Gerechtigkeit“

KYRIE

Wir rufen den Herrn um sein Erbarmen an.

Sammle mich, Gott, aus aller Vielfalt und Bewegung, aus aller Leere und Zerstreuung. Sammle mich in deine Liebe! Herr, erbarme dich!

Hol mich, Gott, von allen Wegen meiner Vergangenheit, aus allem Versagen und aller Enge, hol mich in deine Liebe! Christus, erbarme dich!

Bring mich, Gott, hinein in die Weite des Herzens, hinein in die Kraft des guten Willens. Bring mich in deine Liebe! Herr, erbarme dich!

TAGESGEBET

Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße. Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht, damit wir dem Bösen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

EVANGELIUM

Aus dem Matthäusevangelium  (Mt 6,1 - 6.16-18)
Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

IMPULSE ZUM NACHDENKEN

Das Evangelium weist uns auf drei Kernstücke christlichen Fastens hin, auf das Almosengeben, das Beten und das Fasten. Dabei legt Jesus Wert darauf, sich in der Verwirklichung dieser Anregungen nicht davon leiten zu lassen, damit bei anderen aufzufallen, sondern sich nach Möglichkeit so zu verhalten, dass die anderen es fast gar nicht mitbekommen, dass ich mir zum Beispiel täglich zehn Minuten Zeit für Stille nehme. Das ist beim Beten und Almosengeben etwas einfacher als beim Fasten. Wenn ich weniger esse, weniger das Fernsehen oder Internet anschalte und mich dafür zum Beispiel mehr an der frischen Luft bewege, dann merken das die anderen Familienmitglieder oder der Freundeskreis ganz schnell. Das ist auch okay so. Aber auch dann soll ich mich nicht damit großtun. Ich mache es einfach, ohne es groß zu kommentieren. Wir haben gebetet: „Gib uns Kraft zu christlicher Zucht“. „Zucht“ – dieses Wort und alles, was wir damit verbinden, klingt altmodisch und einengend. Wenn wir das Wort „Zucht“ aber von seiner Tätigkeitsform her sehen, kommen ganz andere Gedanken ins Spiel. „Zucht“ kommt von „ziehen“. Damit stoßen wir auf die Frage: Was zieht mich in meinem Leben? Was bewegt mich immer wieder? Wovon lasse ich mich treiben? Welche Sehnsuchtsbilder tauchen immer wieder in mir auf? Vielleicht auch: Wo oder durch was bin ich verführbar? Mit diesen Fragen stellt uns die Fastenzeit zugleich neu den Gott vor Augen, der die Menschen an sich ziehen will (Joh 12,32). Richtig verstandene christliche Zucht ist also nicht zuerst eine Sammlung von Verhaltensmaßregeln, von „züchtigen“ Eigenschaften, sondern es ist die Bereitschaft, sich von Gott ansprechen, anziehen, bewegen zu lassen. Papst Franziskus hat angeregt: „Handy beiseitelegen und Evangelium in die Hand nehmen!“ Das wäre ein guter Schritt, sich wieder einmal die Sogkraft des Handys und des Internets bewusst zu machen und mit sich einen Vertrag abzuschließen, ab und zu anstelle des Handys die Bibel in die Hand zu nehmen. Sie können sich dazu in der Fastenzeit durch das Internet von vielen hilfreichen Impulsen beschenken lassen, die in diesen Wochen täglich auf den Internetseiten der Diözesen zu finden sind. Dann gebrauchen Sie das Handy – sinnvoll und gut – für einen anderen Zweck. Oder Sie greifen zu Ihrem Gotteslob und beten einen Liedtext, zum Beispiel  „Täglich neu ist seine Gnad“ (Gotteslob 409, 2. Strophe) oder: „Alles meinem Gott zu Ehren“ (Gotteslob 455).

DAS ASCHENKREUZ

Das Besondere dieses Tages ist das Aschenkreuz. Zum Ritus des Aschenkreuzes gehört das Wort: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ Staub ist eigentlich das Überflüssigste, was es gibt. Aber aus diesem Geringen hat Gott den Menschen geschaffen und dem geformten Leib, dem Adam, dem „Erdling“, den Lebensodem eingehaucht. Die Aschenkreuzformel erinnert uns Menschen an dieses Spannungsverhältnis „gering und wertvoll“ und an den Willen Gottes, dass wir uns klarmachen, Lebewesen aus dieser Erde zu sein, also immer mit der Erde verbunden zu bleiben. Das heißt auch, sich bewusst zu bleiben, dass wir hinfällige, begrenzte Wesen sind. Gerade das Corona-Virus konfrontiert uns mit dieser Begrenztheit. Das lateinische Wort für „Demut“ ist „humilitas“. Darin steckt das Wort „Humus“. Das Aschenkreuz will uns einen Hinweis geben, dass wir immer mit der Erde verbunden sind, dass wir in diesem Wissen auf der einen Seite klar und offen, aber auf der anderen Seite auch bescheiden leben können. Wenn ein Mensch beerdigt wird, spricht der Priester das Wort: „Aus der Erde bist du genommen, zur Erde kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken.“ In dieser Formel fehlt das „bedenke“. Der Tote kann nicht mehr denken. Ihm wird aber die Auferstehung und ewiges Leben verheißen. Umso mehr wird klar, dass es mit Beginn der Fastenzeit auch um das „Bedenken“ unserer Grundsituation als lebendige Menschen geht und auch um unsere Hoffnung auf ewige Vollendung.

STILLE Zeit zum Nachdenken – Zeit, eine Musik zu hören

WEIHE DER ASCHE

Wir beten: Segne diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen, weil wir wissen, dass wir begrenzte Menschen sind, Menschen mit gutem Willen und manchmal mit mangelnder Konsequenz. Stärke du mit diesem Zeichen unsere Kraft und unseren Willen, dass wir die vierzig Tage, die vor uns liegen, in rechter Gesinnung begehen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Jetzt können Sie sich gegenseitig mit der Asche ein kleines Kreuz auf die Stirn zeichnen oder etwas Asche auf den Kopf der zu segnenden Person streuen. Dabei sprechen Sie: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst!“ Anstelle von „Mensch“ können Sie den Namen der Person einsetzten, die Sie mit der Asche segnen.

LIED (GOTTESLOB 437, 1-4)

„Meine engen Grenzen ...“

FÜRBITTEN

  • Für alle, die durch das Virus erkrankt sind und oft schwer leiden müssen.
  • Für alle, die an diesem Virus gestorben sind, für alle, die um eine/n Verstorbene/n trauern. 
  • Für die Ärzt*innen und für alle, die in der Pflege tätig sind. 
  • Für alle, die in der Politik weitreichende Entscheidungen treffen müssen. 
  • Für alle, die durch den Lockdown Schaden genommen haben, Menschen in der Gastronomie, Schüler*innen, Berufsanfänger*innen, Student*innen, für alle, die eine Ausbildung beginnen möchten, für Familien in Überlastungsstunden mit Home-Office und Betreuung ihrer Kinder. 
  • Für alle, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Nöte geraten sind. 
  • Für die Einsamen und für alle, die sich um sie Sorgen machen.  
  • Für alle, denen die öffentlichen Gottesdienste fehlen. 
  • Für alle, die sich jetzt für die Fastenzeit eine Veränderung ihres alltäglichen Verhaltens vorgenommen haben. 
  • Für alle, die zu unserem Lebenskreisen gehören. 
  • Für alle Menschen, dass sie gut durch diese weltweite Krise kommen.

Gott, es sind so viele Menschen, die Hoffnung, Geduld, Besonnenheit und Hilfe brauchen. Für sie alle und für uns bitten wir dich: Begleite uns auf unseren Wegen, schenke uns in diesen Zeiten, dass wir Dich nicht aus den Augen verlieren.

VATERUNSER

Wir beten: „Vater unser im Himmel, ...“

SEGENSBITTE ZUM SCHLUSS

Der Herr segne uns in meinen/unseren Plänen und Hoffnungen, er segne meine/ unsere Wünsche und Träume, meine/unsere Arbeit und Sorgen, er segne meine/ unsere Sehnsucht und meinen/unseren Einsatz für das Gute, er segne mein/ unser ganzes Leben und das Leben aller Menschen. Das gewähre mir/uns der drei-eine Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.