Am Freitag fand in der Further Stadtpfarrkirche Mariä-Himmelfahrt um 18 Uhr der Premieren-Gottesdienst zur Eröffnung der diesjährigen Drachenstich-Festspielsaison statt. Ein Novum in der langen Tradition dieser Gottesdienste war heuer auch die Teilnahme von Pfarrer Bernd Rosner von der Further evangelischen Gemeinde als ein Zeichen gelebter und praktizierter Ökumene in Furth im Wald.
Zu Beginn der Messfeier hieß Stadtpfarrer Karl-Heinz Seidl das diesjährige Ritterpaar Tina Pohmer und Andreas Scheuer sowie alle, die sich beim und für das Festspiel vor und hinter der Bühne engagieren, herzlich willkommen. Nach intensiven Proben der Vorbereitung, so Pfarrer Seidl, beginnen nun die diesjährigen Festspiele. Bei diesem Gottesdienst will man sich Gott dem Herrn für die bevorstehenden Festspieltage anvertrauen.

 Nach dem Evangelium, vorgetragen von Pfarrer Bernd Rosner von der evangelischen Gemeinde, sprach Stadtpfarrer Karl-Heinz Seidl in seiner Predigt vom Kampf mit dem Drachen, der durch unser eigenes Herz geht. Historisch wird das Ungetüm gerne in Verbindung gebracht mit kriegerischen Auseinandersetzungen wie der Schlacht bei Taus sowie als Symbol für die Hussiten.
Auch für die Christen ist der Drache grundsätzlich ein Symbol des Bösen, welches in verschiedenen Heiligenlegenden auftaucht. Pfarrer Seidl nannte die Legende über die heilige Margareta, um die sich der Teufel in Gestalt eines riesigen Drachen herumwand um sie zu verschlingen. Als die Heilige das Kreuzzeichen über ihn machte, wurde er zerbrochen und sie entkam unbeschädigt seinen Krallen. Genannt wurde auch die Legende des heiligen Georg als Drachentöter oder die Legende vom heiligen Erzengel Michael, der den Drachen mit einer Lange besiegte. Diese Legenden, so Pfarrer Seidl, wollen verdeutlichen, dass das Böse existiert und wir selber auch in diese Auseinandersetzung hineingezogen sind. Als Beispiel schilderte er das Ereignis, als damals die Amerikaner im Irak einmarschiert sind. Dazu hat der damalige Präsident Bush gesagt, man habe jetzt das Böse besiegt. Dem hat der Erzbischof von Paris widersprochen als er sagte: „Das Böse sind nicht die einen oder die anderen, sondern – die Unterscheidung zwischen Gut und Böse geht mitten durch unser Herz“. Jeder Mensch und die ganze Weltgeschichte, so Stadtpfarrer Seidl in seiner Predigt beim Premierengottesdienst, ist also hineingezogen in diesen Kampf zwischen gut und böse in seinem eigenen Herzen. In den Legenden und genauso im Drachenstichfestspiel in Furth im Wald wird der Drache als das Böse dargestellt. Aber Pfarrer Seidl mahnte, dass nicht wir die Guten sind und die andere die Bösen, denn diese Abgrenzung geht mitten durch uns selbst. Für diesen Kampf braucht es den Beistand Gottes, den Beistand des Heiligen Geistes und auch die Fürbitten jener Heiligen, die das Böse bekämpft haben. Darum soll auch dieser Gottesdienst Dank und Bitte um diesen Beistand sein. Der Sinn ist es, dass man diesen Kampf zwischen Gut und Böse nicht verharmlost, sondern dass man ihn innerlich wahrnimmt und diesem Kampf auch nicht ausweicht. Viele große Politiker, so Pfarrer Seidl, sprechen auch heute gerne vom Guten und vom Bösen. Amerikanische Präsidenten genauso wie arabische Fürsten. Früher war für die Amerikaner das Reich der Finsternis die Sowjetunion, heute ist es der Islam. Auch Präsidenten wie Erdogan in der Türkei oder der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban nehmen solche Vergleich gerne her - wir die Guten, und die Anderen sind die Bösen. Vielleicht denken auch wir  immer mal wieder so. Aber, so der Prediger, das ist falsch. Der Kampf zwischen gut und böse, der Kampf mit dem Drachen, geht durch unser eigenes Herz. Alleine sind wir im Kampf gegen das Böse höchstwahrscheinlich unterlegen. Darum sollen wir immer wieder bei den Gottesdiensten den Beistand erbitten. „Rufen wir die Heiligen an als Fürsprecher, damit der Drache, der Widersacher in unseren Herzen nicht die Oberhand gewinnt und dass das Gute in uns siegt trotz aller Versuchungen, in die wir geraten können“.

Vor dem Schlußsegen erfolgte die auch schon zur Tradition gehörende Segnung des von Klaus Dimpfl aus der Kardinalstruppe gebackenen Brotes. Pfarrer Karl-Heinz Seidl bezeichnete es als Zeichen der Gemeinschaft und als innere Stärkung für die Darsteller für das, was noch auf sie zukommen wird. Dieser Segen ist auch mit dem Wunsch verbunden, dass alles gut gehen möge und niemand verletzt wird in der Hitze des Gefechts. Nach der heiligen Messe wurde dieses Brot unter die Mitspieler verteilt.
Viele Mitwirkende der Premierenaufführung haben kostümiert diesen Gottesdienst mitgefeiert.